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Wie mit dem Traum verfährt er auch mit der Kunst. Bereits bei der
Namenswahl wurde das Motiv "die Schlauheit, den Namen des Feindes anzunehmen"
als "literarischer Irrtum" disqualifiziert. Der Erzähler läßt
dabei offen, auf welchen Präzedenzfall aus der Literatur er sich bezieht
- wie im Traum starre ich in der Bibliothek auf die Rücken der Bücher,
ich komme nicht drauf, welchen Fall er meinen könnte. Ein nur
ungefähres literarisches Beispiel für diese Schlauheit - allerdings
anders eingesetzt - wäre Odysseus, der sich, eine Homophonie ausnutzend,
"Niemand" nennt, um den Kyklopen Polyphemos (= berühmt) zu überlisten.
Adorno nennt diese Strategie "Mimikry" - was ist es anderes, wenn der Mann
den Namen seines Todfeindes annimmt, als Mimikry? - Dennoch gilt dem falschen
Villari alle Fiktion als "Irrtum", wie es sich auch an seinem Verhalten
im Kino zeigt: "Er blieb immer in der letzten Reihe; erhob sich immer kurz
vor Schluß. Er sah tragische Geschichten von Gangstern; sicher waren
sie stümperhaft, sicher kamen in ihnen auch Bilder vor, wie es sie
in seinem früheren Leben gegeben hatte; Villari fielen sie nicht auf,
weil ihm der Gedanke an ein Zusammentreffen von Kunst und Wirklichkeit
fernlag. Folgsam mühte er sich, an den Dingen Gefallen zu finden;
er wollte dahinterkommen, warum man dergleichen zeigte. Im Unterschied
zu Leuten, die Romane gelesen haben, sah er sich nie als eine Kunstfigur."
- Wie mit dem Traum verfährt er auch mit der Kunst - hier der siebten
Kunst, vornehmlich Made in Hollywood, der Traumfabrik.
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