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Wäre die Wartezeit des falschen Villari anders verlaufen, wenn er
die Mimikry seiner Namenswahl, die ihn ja in gewisser Weise zu einer Kunstfigur
macht, als solche erkannt hätte; und wenn er die Funktion von Kunst
als einem, wenn auch komplexen, so doch abgeschlossenen Modell des an sich
Unabschließbaren erkannt hätte? - Und wenn er sich fragt, "warum
man dergleichen zeigte", dann drängt sich die Gegenfrage auf, warum
er denn ins Kino gegangen ist - bloß weil alle es taten? Nur als
Mühe? Der falsche Villari wird ja bei all dem nicht als ein oberflächlicher
Mensch geschildert: "Jahre der Einsamkeit hatten ihn gelehrt, daß
die Tage einander in der Erinnerung gleich werden, daß es aber keinen
Tag gibt, nicht einmal im Krankenhaus oder im Gefängnis, der nicht
Überraschungen brächte." Er ist nicht sensationsbedürftig
wie einer, den der Alltag sofort einlullt, der im Krankenhaus oder im Gefängnis
den Kulturbeutel an das Waschbecken stellt, um derart vor Überraschungen
gefeit zu sein; der falsche Villari lebt ernsthaft in seiner Wirklichkeit
- das zeigt sich daran, daß er weiß, daß die Dinge der
Zeit und eines Gottes (oder einem Gott funktional Äquivalenten) bedürfen
um zur (Um)Welt zu werden -, aber eben bloß nur dort, in seiner Wirklichkeit.
Er steht zu dem Alltag in einer Art von Lauerstellung (vielleicht oder
wahrscheinlich sogar: weil er ein Gangster ist), deshalb macht es ihm Mühe,
sich im Ausnahmezustand einzurichten. Vielleicht probiert er erst jetzt,
in seinem extremsten Ausnahmezustand (nicht nur als Gangster von den Bürgern
ausgeschlossen, sondern auch wegen bestimmter Vorfälle von seinesgleichen
- dem echten Villari - geächtet und gejagt), zum ersten Mal in seinem
Leben Alltag aus.
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