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Es geht dem falschen Villari hier wie dem arabischen Aristoteles-Kommentator
Averroes (aus einer anderen Erzählung Borges´), als jener am
Anfang der "Poetik" auf die Begriffe Tragödie und Komödie
stößt: "kein Mensch im Umkreis des Islam hatte eine Ahnung,
was sie bedeuten sollten (...) Diese beiden Geheimwörter fanden sich
im Text der Poetik an unzähligen Stellen; unmöglich, sie zu umgehen."
Averroes, im Bannkreis des islamischen Darstellungsverbotes befangen, sieht
nicht, was gemeint ist, obwohl er es ständig vor Augen hat: in den
Muezzin und Minarett spielenden Kindern im Hof, in dem Bericht eines Chinareisenden
über eine Theateraufführung und während eines Gastmahls
in der Diskussion über Metaphern. Die rothaarige Sklavin, die ihm
vielleicht hätte erklären können, was es mit den Begriffen
Tragödie und Komödie auf sich hat, da ihre roten
Haare auf eine okzidentale Herkunft schließen lassen, wird von ihren
schwarzhaarigen - orientalischen - Genossinnen im Harem gefoltert. - Das
Scheitern des Averroes, die Bedeutung der Begriffe zu verstehen, bezeichnet
Borges als "poetisch", weil er sich "ein Ziel steckt, das zu erreichen
anderen nicht versagt ist, wohl aber ihm." - Der falsche Villari mit seiner
Lust auf Notwendigkeit und seinem Imperativ des traumhaften Erscheinens
erweckt einen ähnlichen Eindruck wie jemand, der einen Kommentar zu
einer imaginären - weil nicht verfaßten - Ästhetik schreiben
will und die Differenz zwischen den Weltmodi Nichtkunst und Kunst
(die Bedingung der Möglichkeit eines solchen Kommentars) nicht kennt.
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