Zur Eröffnung der Ausstellung zeige ich in Kooperation mit der Musikerin Peaches (Merrill Niskers) ein Werk namens "SOLID". Während Merrill auf ihrem MC-505 (eine elektronische Computer-Beatbox) niedrige Frequenzen und Beats spielt, ziehe ich mir zwanglos die Kleider aus. Dann betrete ich in die Haarinstallation CAREFUL und beginne, auf meinen Körper zu zeichnen. Ich kratze mit den bloßen Fingernägeln meine Haut ein, und aufgrund einer besonderen Veranlagung meiner Haut (Dermagraphia) schwellen die Kratzer zu Striemen an - auf diese Weise schaffe ich auf meinem Körper flüchtige Striemenzeichnungen. Von den Füßen an und die Beine hinauf setze ich Weinlaub und Blätter. Je weiter sich diese Blätter meinen Hüften nähern, desto üppiger wachsen sie, und auf meinem Becken und bis zu meinen Schultern hinauf schießen plötzlich Blüten und Blumen hervor. Das Muster erinnert an William Morris. Wenn die Zeichnung fertig ist, strecke ich meine Arme hoch in die Luft und halte diese Position etwa eine halbe Stunde lang. Sobald meine Muskelkontrolle etwas nachläßt, beginnen meine Arme sich unfreiwillig im Takt der improvisierten Musik zu bewegen. Ich sehe jedem einzelnen Zuschauer betont in die Augen und ziehe daraus die Energie, um weiterzumachen. Wenn der Zeitpunkt gekommen scheint, das Stück zu beenden, laufe ich zurück zu Merrill und meinen Kleidern und ziehe mich an.


Für die Installation, mit der ich meine Performance RISE umgebe, benutze ich Haare, die ich an öffentlichen Orten gefunden habe. Mithilfe von drei Teppichstreifen markiere ich auf dem Boden eine große Fläche. Der innere Streifen hat die Farbe dunkler Haut und ist etwas länger als die äußeren. Dann fülle ich die Fläche, die durch die äußeren Streifen markiert ist, mit den gefundenen Haaren. Außerdem knüpfe ich einzelne Haare zu langen Fäden. Hunderte dieser zarten Fäden reichen von der Decke bis auf den Boden und bedecken die Fläche des äußeren Teppichs. Nur in der Mitte lassen sie einen Durchgang. Der Betrachter geht durch diesen Gang und erlebt die kraftvolle Zartheit der Haare. Es ist (xxx) sehr schwierig, diese Installation zu dokumentieren, da die Haare sehr fein und etwas schwer zu erkennen sind.


Ein weiterer Teil von SOLID besteht aus Fotografien flüchtiger Striemenzeichnungen und Fotografien der Serie >I AM EXTREMLY RATIONAL<. Mit Fäden aus Menschenhaar, die ich an öffentlichen Orten auflese, habe ich mir Buchstaben auf den Körper genäht. Aus jedem Buchstaben wird ein Foto, und alle Fotos zusammen ergeben den Titel "I AM EXTREMLY RATIONAL".
Dazu ein paar Zitate aus der Ausstellungsbroschüre einer früheren Show der "Mercer Union" (Toronto) von Ken Hayes und Kym Pruesse: >Wenn man "I AM EXTREMLY RATIONAL" liest, hinterläßt das ein leichtes Unwohlgefühl, das genaue Gegenteil von Vernunftsgewißheit.< Und: >Der Künstlerin geht es einerseits darum, die strukturelle Bedingung von Bedeutung, andererseits den speziellen Inhalt von Bedeutung auszudrücken. Die Arbeit bewegt sich im Randgebiet des kaum mehr Sagbaren, verweist auf die Vorstellung des Verborgenen indem es von der Lust und dem Schrecken erzählt, der entsteht, wenn man sich nicht mehr innerhalb von Sprache bewegt, wenn man keine Wörter mehr zur Verfügung hat.<"

Lisa Deanne Smith, 1999